Das Waldenserwappen

 

Der Leuchter - im vorliegenden Fall auf der Bibel stehend - geht auf das Wappen der Grafen von Lucerne (Pellicetal) zurück.
Die Umschrift “LUX LUCET IN TENEBRIS” wurde dem Johannesevangelium entnommen (Kapitel 1, Vers 5):

Das Licht leuchtet in der Finsternis

 

Die Geschichte der Waldenser

Die Geschichte der Waldenser begann vor ca. 800 Jahren.

Ihr Stammvater war ein Mann, der unter dem Namen Petrus Waldus dieWaldenser-
bewegung begründete. Sein Name wurde auch in lat. Form als Valdesius oder Valdensius und in der Volkssprache als Valdes, Vaudès oder Valdo überliefert. Es ist überdies nicht sicher, ob man ihm den Namen Petrus erst später gegeben hat.

Dieser Waldus war ein wohlhabender und einflussreicher Kaufmann aus Lyon, bis er sein Leben zwischen 1173 und 1176 total änderte. Welche Erlebnisse bewogen ihn dazu? Es gibt verschiedene, teils wunderlich anmutende Geschichten darüber. Alle zeigen aber, dass die Lebenskrise des Waldus im Zusammenhang mit dem Evangelium stand. Zwei Schritte wurden für sein weiteres Leben bedeutsam. Er wollte die Hl. Schrift lesen können und ließ deshalb Teile daraus aus dem Lateinischen in die Landessprache, ins Provenzalische, übersetzen.

Zum anderen verließ er seine Familie, verteilte seinen Reichtum unter den Armen und wurde ein mittelloser Wanderprediger, der bald schon Anhänger um sich scharte. Sie gaben sich den Namen “Die Armen im Geist” oder “Die Armen Christi” und wollten vor allem nach der Bergpredigt und der Aussendungsrede Jesu wie die Apostel leben und predigen und so den christlichen Glauben in seiner ursprünglichen Reinheit verbreiten.

Sie blieben Laienprediger, was von kirchlicher Seite aus zunächst zu Meinungsverschiedenheiten und später zum Predigtverbot führte. Da sie sich nicht an das Verbot hielten, wurden die “Waldenser” aus Lyon vertrieben und setzten ihre Mission im Languedoc fort.

Im Jahr 1184 sprach das Konzil von Verona auf Drängen der franz. Bischöfe den Bann über die Waldenser aus.

Petrus Waldus starb vermutlich um 1206. Wo er starb, ist unbekannt.

 

Woher kamen unsere Vorfahren?

Die Waldenser sind kein Volksstamm, wie z. B. die Schwaben oder Sachsen, sondern eine Religionsgemeinschaft. Sie ist im Mittelalter Ende des 12. Jahrhunderts entstanden. Während die etwa eine Generation später entstandene Bewegung des Franz von Assisi, die ähnliche Ziele verfolgte, von der kath. Kirche akzeptiert wurde, verdammte das Konzil von Verona 1184 die Waldenserbewegung. Die daran anschließende Verfolgung durch die kath. Kirche in den folgenden Jahren bewirkte, dass die sich über weite Teile von Europa ausgebreitete Waldenser-
bewegung sich zuletzt nur noch in den Cottischen Alpen halten konnte. Für Großvillars ist in dieser Gegend vor allen Dingen das westlich von Turin gelegene Chisone-Tal von Bedeutung.

Auf der linken Flussseite liegt Villar Perosa, der Herkunftsort der Großvillarser. Dieses Gebiet, das heute italienisch ist, gehörte wechselnd zu Savoyen und zu Frankreich. Als sich die Waldenser auf der Synode von Chanforan im Angrognatal im September 1532 der schweizerischen Reformation von Zwingli bzw. Calvin anschlossen, war das Gebiet gerade savoyisch, von 1536-1559 war es französisch, von 1559-1562 savoyisch, von 1562-1574 franz., von 1574-1592 savoyisch, von 1592-1594 französisch, von 1594-1630 savoyisch und von 1630-1696 französisch. Als Ludwig XIV. am 7. Mai 1685 das Verbot der Reformierten im Val Cluson (Chisonetal) erließ, war das Gebiet französisch. Die Bewohner des Tals wurden zwangskatholisiert. Nachdem Savoyen Anfang Juni 1690 einem Bündnis gegen Frankreich beitrat und Ende August, Anfang September 1693 ins Chisonetal eindrang, siedelten viele Waldenser in die savoyischen Waldensertäler um und wurden wieder evangelisch. Am 29. Juni 1696 schloss Savoyen mit Frankreich einen Geheimvertag ab, wonach Savoyen das von 1630-1696 französisch besetzte Gebiet wieder zurückerhielt, sich gleichzeitig jedoch verpflichtete, keine protestantischen Franzosen in seinem Land zu dulden. Diese Verpflichtung wurde am 1. Juli 1698 mit dem Ausweisungsedikt erfüllt, wonach alle französischen Waldenser innerhalb von 2 Monaten das Land verlassen mussten. Über die Schweiz kamen sie 1699 nach Württemberg.

 

Waldenser in Großvillars

Im Jahre 1699 entschloss sich der württembergische Herzog, Eberhard Ludwig aus Ludwigsburg, 3000 Glaubensflüchtlinge aus den franz./savoyischen Alpen in seinem Lande aufzunehmen.

Durch den 30-jährigen Krieg war sein Land stark verwüstet und unterbevölkert. Leute, die sich um des Glaubens willen vertreiben ließen, müssten eigentlich bestens geeignet sein, ein wüstes Land wieder zu bevölkern und zu kultivieren.

Die Waldenser zogen über die Schweiz, wo sie einen Winter lang Aufnahme gefunden hatten, nach Deutschland. Unter den etwa 3000 Waldensern waren auch 361 Leute aus Villar Perosa, im Chisonetal gelegen. Mit dem Schiff kamen 123 Personen, die anderen 2/3 zu Fuß von Basel den Rhein hoch. In Schröck, dem heutigen Leopoldshafen, stiegen sie aus. Die Aufnahme im Württembergischen war schwierig. Die Württemberger waren Lutheraner und sie Reformierte. Die Ankömmlinge wurden zunächst in den Schanzen der Eppinger Linie untergebracht, später in die umliegenden Gemeinden verteilt, wo sie in den Scheunen der Bauern wohnten.

Die Leute aus Villar Perosa kamen zuerst nach Derdingen. Schon am nächsten Tag beklagte sich die Bevölkerung beim Vogt über die Einquartierung. Sie sagte, dass sie nach Ankunft der restlichen Einwanderer pro Familie 8 Personen in ihren Scheunen hätten. Diese bräuchten sie aber wegen der bevorstehenden Heuernte selber. Außerdem würde über kurz oder lang das Brot der Gemeinde ausgehen. Die Derdinger verlangten, dass die Ankömmlinge umgehend nach Güglingen und in umliegende Gemeinden weitergeschickt würden. Der Herzog lehnte dieses Ansinnen ab, beschloss aber, einen Teil der Waldenser nach Knittlingen und Freudenstein zu schicken und den Rest in Derdingen zu belassen.

Zwischenzeitlich wurde aber eine andere Lösung gefunden: Die Waldenser sollten im Gewann ”Altes Haus”, an der Gemarkungsgrenze zwischen Derdingen, Knittlingen und Bretten gelegen, eine eigene Gemeinde gründen. Dieses Land war schon lange nicht mehr bebaut, und auf den Feldern hatten sich Dornen und Wildwuchs breitgemacht.

Im Januar 1700 wurde der Landvermesser Johannes Stahl aus Hohenhaslach mit der Vermessung der Straßen und Bauparzellen beauftragt. Die Hauptstraße, die heutige Freudensteiner Straße, war lang und gerade und an ihrem einen Ende führte im rechten Winkel nach beiden Seiten eine kürzere Straße, die heutige Heilbronner Straße. Geplant waren 13 Häuser, eine Kirche und ein Pfarrhaus. Communaute(Gemeinde) de Villars, wie Großvillars damals hieß, sollte eine selbständige Gemeinde werden. Die ersten Häuser wurden als einfache Bretterbuden erstellt, während die Plätze für die Kirche und das Pfarrhaus noch leer blieben.

Derdingen und Knittlingen mussten ca. 450 Morgen Land, das sogenannte Waldensergut, hergeben. Es wurde unter die Neubürger verteilt. Communaute de Villars wurde zwar selbständig, hatte aber keine eigene Gemarkung. Das Waldensergut lag weiterhin auf Derdinger und Knittlinger Gemarkung. Deren Bürger mussten für 15 Jahre die Steuern übernehmen und wurden im Frondienst verpflichtet, die Felder umzubrechen. Die Waldenser waren von der Leibeigenschaft befreit und hatten für ihr Gewerbe die Freiheit von der abbaye, dem Zunftzwang.

1703 wurden bei einem Feuer 19 Baracken, 16 im Bau befindliche Häuser und 26 Scheunen zerstört. 119 Obdachlose waren zu beklagen und der Ort musste wieder neu aufgebaut werden. Herzog Eberhard Ludwig ließ aber verkünden, dass alle Häuser nur noch aus Stein gebaut werden dürfen. Die benötigten Steine mussten Derdinger und Knittlinger Bürger herbeischaffen. 1720 gab es bereits 46 feste Häuser, 26 Scheunen und 18 Baracken.

Im Jahre 1704 ging es um die Namen der Waldenserorte. Da der Name Villars schon bekannt war und auch von den Deutschen ausgesprochen werden konnte, wollte man ihn beibehalten. Aus Communaute de Villars wurde jetzt Groß- und Kleinvillars.

Von allen württembergischen Waldensersiedlungen hat Großvillars mit die besten klimatischen Verhältnisse und auch die besten Böden. Auf Grund dieser Fakten zogen auch andere Waldenser, die nicht aus Villar Perosa stammten, nach Großvillars. In den Anfangsjahren zählte man 58 verschiedene Familiennamen, während es heute nur noch deren 15 (fett gedruckt) sind. Diese sind: Aillaud, Alliaut, Armingeon, Ayasse, Balmas, Baral, Billon, Blanc, Blanchout, Bonnet, Bouc, Bouceau, Breuze, Brun, Bonnou, Bourions, Canel, Charle, Chaume, Claret, ClapierCombe, Cocher, Comte, Chardoussin, Didier, Dumas, Frairie, Fraissinet, Gayde, Germanet, Gilly, Gimbart, Grauget, Grizet, Goutier, Guerin, Jaimet, Jourdan, Jouvenal, Martin, Matthiau, Muret, Mondon, Pastre, Petit Jean, Piston, Peyrot, Paris, Rostain, Rostan, Rouchat, Salvay, Servay, Soúlier, Talmon , Vincent, und Vinçon. 1712 findet sich der erste deutsche Name.

Ab 1720 siedelten verstärkt die Deutschen in Großvillars. Ein herzoglicher Erlass besagte nämlich, dass in jedem Ort ein Barbier, ein Wagner und ein Schmied wohnen mussten. Diese Berufe wurden aber von den Waldensern fast nicht ausgeübt. Die Kinder der deutschen Familien mussten nach Knittlingen in die Schule gehen, da im Ort selber der Unterricht in französischer Sprache durchgeführt wurde, was aber die Waldenserkinder auch nicht richtig verstanden. In ihrer Heimat hatten sie nur Alpenprovenzalisch gesprochen, das in viele Dialekte zerfällt, die oft von Ort zu Ort verschieden waren.

Der Gottesdienst wurde in Knittlingen im Rathaus und in der St.-Georgs-Kirche abgehalten. Erster Pfarrer wurde der in Knittlingen wohnende Jean Dumas, der allerdings auch die Filialen Augustinstadt bei Gochsheim, Diefenbach, Kleinvillars und Freudenstein zu vertreten hatte.

Um 1715 fand der Gottesdienst in Großvillars in einer Kirchenbaracke statt, bevor 1716 eine erste Kirche im Fachwerkbau errichtet wurde. Zwischen 1748 und 1752 baute man mit Hilfe der reformierten Kirche von England und Niederlande eine neue Kirche aus Stein.

1821 wurde ein Schulhaus, das heutige Rathaus, gebaut. Hier waren ein Schulsaal und ein Ratszimmer im Erdgeschoss und im ersten Stock eine Lehrerwohnung untergebracht, die bis ins Jahr 1965 auch als solche benutzt wurde. Zuletzt wohnte dort Edmund Walter mit seiner Familie.Er war der Vater des späteren Schulleiters Fritz Walter.

1852 , 100 Jahre nach der Erbauung der jetzigen Kirche, wurde das Pfarrhaus gebaut.

1866 bereiste König Karl das Land, wobei er auch in die Nähe von Großvillars kam. Der kommissarische Schultes Combe berichtete dem König von den Problemen der Gemeinde, die zwar selbständig war, jedoch kein Geld für Gemeindeanliegen hatte, da sämtliche Steuern nach Derdingen und Knittlingen abgeführt werden mussten. Er bat den König, die Selbständigkeit der Gemeinde aufzulösen und sie entweder Derdingen oder Knittlingen ganz zuzuteilen. Der König stimmte der Bitte zu, aber weil weder Derdingen noch Knittlingen Interesse hatten, wurde Großvillars genau an der Gemarkungsgrenze geteilt. 2/3 des Ortes kamen nach Knittlingen, der Rest ging an Derdingen. Die Gehöfte waren teilweise zerschnitten. Erst 107 Jahre später, im Jahr 1973 bei der Kreisreform, konnte sich die gesamte Gemeinde Oberderdingen anschließen.

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